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Badezimmer-Spiegel: Wieviel will ich sehen?

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Im Badezimmer dominieren drei Einrichtungsgegenstände: Die Badewanne, das Waschbecken und der Spiegel. Wer zur Miete wohnt wird seine gestalterische Kraft meist am Spiegel auslassen müssen. Und da gibt es Varianten, die für längere kulturhistorische Abhandlung ausreichten.

In den sechziger und siebziger Jahren hatte der Spiegel im Badezimmer noch einen Namen. Allibert hieß er, fand sich über den meisten kleinbürgerlichen Waschbecken und war Symbol einer technologiegläubigen Waschkultur. Eigentlich war Allibert viel mehr als nur ein schnöder Spiegel. Hinter den meist triptychonartig angeordneten Flügeltüren verbargen sich ein ausgeklügeltes Regalsystem, raffinierte Beleuchtung und eine Steckdose.

Badezimmerspiegel: Allibert

Der Allibert beispielsweise steht für jene sechziger Jahre, in denen in den meisten Haushalten neben ungebrochenem Glaube an die D-Mark auch eine hingebungsvolle Verehrung abwaschbarer Oberflächen dominierte. „Plastic-is-Fantastic“ Allibert war praktisch und pragmatisch zugleich, bot Sanitärgegenständen aller Art in kleinen Neubauwohnungen auf kompakten Platz viel Raum (und in merkwürdig prüden Zeiten Versteck). Gleichzeitig deutete der Spiegelschrank optische Bescheidenheit an, schließlich waren die Spiegel nur wegen der dazugehörigen Türen so groß.

Komplett verspiegelt: Das Bad

Heute hat sich der Spiegel sozusagen befreit. So manche Badezimmerwand ist komplett von Spiegelflächen bedeckt, so dass der Badezimmerbesitzer, beziehungsweise die Badezimmerbesitzerin, auch wirklich jede Faser, jede Pore seines/ihres Körpers in voller Pracht bewundern kann. Der Spiegel im modernen Badezimmer reflektiert so zusätzlich den Körperkult einer eitlen Ära.

Funktionen des Badezimmer-Spiegels

Insgesamt regiert im 21. Jahrhundert die Vielfalt: Vom schlichten, am Nagel aufgehängten Din-a-4-großen Spiegel, der nicht viel mehr als das zu rasierende Kinn seines Besitzers zeigt, über den umfunktionierten barocken, vergoldeten Bilderrahmen mit Spiegelfläche und umrahmender Weihnachtsbaum-Lichterkette bis hin zum Professional-Home-Makeup-Artist-Studio mit dreierlei Lichtkonzepten reicht das Spektrum. Man braucht kein Hellseher zu sein, um zu ahnen, dass mit weiblicher Dominanz im Haushalt die Spiegelfläche im Badezimmer wächst.

Inspiration für das eigene Bad

Die Möglichkeit, Ideen für Spiegelwelten zu finden, sind vielfältig. Der Besuch im Hotel kann Ideen liefern, der Blick in Möbelkataloge oder Zeitschriften. Auch wenn hier der Spiegel nicht im Mittelpunkt steht, lassen sich die Wohnideen doch prima „klauen“ und mit etwas handwerklichen Geschick und einer kleinen Portion Phantasie für meist überschaubaren finanziellen und baulichem Aufwand im eigenen Bad umsetzen.

Optisch vergrößernd: Der Spiegel im Bad

Natürlich gibt es einen ganz einfachen, rationalen Grund für einen großen Spiegel im Bad. In kleinen Badezimmern vergrößert ein großer Spiegel den Raum optisch deutlich. Viel mehr Spaß macht es aber, Spiegelanekdoten im Geschlechterkampf auszutauschen, wenn beispielsweise eine kleine „Sie“ beim großen „Er“ allein auf Fliesen schaut und einen Hocker braucht, um sich den Spiegel abzuhängen, oder wenn er bei ihr steht und dramatisch mit der Tatsache konfrontiert wird, dass der Körper unterhalb des Halses weiter- und dort an unerwarteten Stellen in die Breite geht.

Es lohnt sich also, auch über die an sich unbedeutende Frage nachzudenken, wo und wie man eine mit Silber- beziehungsweise aluminiumbedampfte Glas- oder Kunststofffläche im Badezimmer installiert. Es mag nicht das Leben davon abhängen, aber fünf gute Minuten (beziehungsweise eine halbe Stunde) nach dem Aufstehen. Und das ist ja auch nicht gerade wenig.