Millionen Menschen in Deutschland lassen ihre Badewanne ungenutzt. Nach einer Umfrage der Handwerkerplattform MyHammer geben 23 Prozent der Befragten an, seit mehr als einem Jahr kein Bad mehr genommen zu haben – obwohl eine Wanne vorhanden ist. Der Trend zieht sich durch alle Altersgruppen und Geschlechter.
Was lange als Inbegriff von Entspannung galt, verliert offenbar an Bedeutung. Die Dusche ist für viele zur schnelleren, pragmatischeren Lösung geworden. Ein Grund dürfte das gestiegene Kostenbewusstsein sein: 71 Prozent der Befragten achten nach eigenen Angaben bewusst auf ihren Wasserverbrauch. Angesichts höherer Energiepreise und wachsender Sensibilität für Ressourcen spielt der Verbrauch beim Baden eine größere Rolle als früher.
Regional zeigen sich deutliche Unterschiede. In Rheinland-Pfalz wird besonders selten gebadet – dort nutzen 38 Prozent ihre Wanne seit mindestens einem Jahr nicht mehr. Ob kulturelle Gewohnheiten, Gebäudestruktur oder Altersverteilung eine Rolle spielen, bleibt offen. Klar ist jedoch: Die Badewanne ist längst kein selbstverständlicher Mittelpunkt des Badezimmers mehr.
Renovierungswunsch im Bad
Parallel dazu wächst der Veränderungsdruck. 30 Prozent der Befragten sind mit ihrem Badezimmer unzufrieden und wünschen sich eine Modernisierung. Besonders ausgeprägt ist dieser Wunsch bei den 18- bis 34-Jährigen: 35 Prozent würden ihr Bad gerne umbauen.
Das passt zu einem allgemeinen Trend in der Wohnkultur. Das Bad wird zunehmend als funktionaler, zugleich ästhetisch durchgestalteter Raum verstanden – weniger als Rückzugsort für ausgedehnte Schaumbäder, mehr als effizient organisierter Alltagsbereich. Bodengleiche Duschen, klare Linien, reduzierte Materialien und pflegeleichte Oberflächen stehen hoch im Kurs.
Wann sich der Verzicht lohnt – und wann nicht
Wer seine Wanne kaum nutzt, denkt möglicherweise über einen Umbau nach. Ein großzügiger Duschbereich kann mehr Bewegungsfreiheit schaffen, wirkt moderner und spart im Alltag Wasser. Gerade in kleineren Stadtwohnungen kann der Rückbau der Wanne wertvolle Fläche freisetzen.
Allerdings ist Vorsicht geboten: Befindet sich nur eine einzige Badewanne im Haus oder in der Wohnung, kann ihr vollständiger Verzicht den Wiederverkaufswert beeinflussen. Familien mit kleinen Kindern oder Käufer, die Wert auf Flexibilität legen, wünschen sich häufig zumindest eine Wanne im Haushalt. Immobilienexperten raten deshalb dazu, die Zielgruppe der Immobilie mitzudenken.
Funktion vor Ritual
Die Zahlen zeigen weniger einen Abschied vom Baden als eine Verschiebung von Prioritäten. Der Alltag ist schneller geworden, Energie und Wasser sind teurer, Flächen in Wohnungen knapper. Das Bad wird zunehmend rational geplant.
Ob die Badewanne damit zum Auslaufmodell wird, ist dennoch fraglich. In hochwertigen Neubauten und großzügigen Eigentumswohnungen bleibt sie oft als Komfortelement erhalten – allerdings seltener als Standard, häufiger als bewusste Entscheidung.
Für viele Haushalte gilt inzwischen: Geduscht wird täglich, gebadet höchstens gelegentlich. Die Wanne ist nicht verschwunden – aber sie ist vom Alltagsmöbel zum optionalen Luxus geworden.
