Ein fröhlich planschendes Kind mit einer gelben Quietscheente in der Badewanne – ein vertrauter Anblick in vielen Haushalten. Doch was auf den ersten Blick harmlos wirkt, kann unter der Oberfläche problematisch sein. Denn Gummientchen bergen ein hygienisches Risiko: In vielen Fällen nisten sich in ihnen Millionen von Bakterien und Pilzen ein.
Das Wasserforschungsinstitut Eawag im schweizerischen Dübendorf hat 25 Gummienten untersucht – darunter 19 gebrauchte Spielzeuge und 6 neue, die elf Wochen lang im Labor getestet wurden. Die Ergebnisse der Studie, die gemeinsam mit der ETH Zürich und der University of Illinois erstellt und im Fachjournal „npj Biofilms and Microbiomes“ veröffentlicht wurde, sind deutlich: In vier von fünf Enten wurden potenziell krankheitserregende Keime wie Pseudomonas aeruginosa oder Legionellen entdeckt. Die Bakteriendichte lag zwischen 5 und 75 Millionen Zellen pro Quadratzentimeter. Auch diverse Pilze siedelten sich an.
Hygienetipps für Eltern
Trotz der besorgniserregenden Zahlen rät das Forschungsteam nicht dazu, die Badespielzeuge sofort zu entsorgen. Vielmehr gibt es einfache Maßnahmen zur Vorbeugung:
- Loch abdichten: Wer das Spritzloch an der Unterseite der Entchen mit Kleber oder einem wasserfesten Aufkleber verschließt, verhindert das Eindringen von Badewasser – und damit auch die Bildung eines keimbelasteten Biofilms im Inneren.
- Regelmäßiges Auskochen: Wird das Spielzeug wie ein Schnuller ausgekocht, reduziert sich die Keimlast erheblich. Das beeinträchtigt zwar unter Umständen die Lebensdauer des Plastiks, ist aber eine wirksame Schutzmaßnahme.
- Lichttest: Hält man die Ente gegen eine Lampe oder das Tageslicht und sieht einen dunklen Schimmer, ist das ein Zeichen für Schmutzablagerungen im Inneren – ein Fall für eine gründliche Reinigung.
Das bloße Trocknen auf der Heizung genügt laut Studienautoren nicht, um Pilze und Bakterien dauerhaft zu beseitigen.
Nicht alle Keime sind gefährlich – aber Vorsicht bei empfindlichen Kindern
Nicht jeder Mikroorganismus im Badewasser ist zwangsläufig schädlich. Studien-Mitautor Frederik Hammes betont, dass ein gewisser Keimkontakt sogar das Immunsystem stärken könne. Problematisch sei dies allerdings bei Kindern mit empfindlicher Gesundheit – hier können Infektionen an Augen und Ohren oder Magen-Darm-Probleme auftreten.
Industrie in der Pflicht
Die Studienautoren fordern langfristig ein Umdenken in der Herstellung. Gängige Gummientchen bestehen oft aus minderwertigen Kunststoffen, die Keimen in Verbindung mit Badewasser, Shampooresten und Hautschuppen optimale Wachstumsbedingungen bieten.
Auch Hermann Josef Kahl, Sprecher des Bundesverbands der Kinder- und Jugendärzte in Deutschland, mahnt strengere Regeln an: Entweder müssten die Spielzeuge gründlich zu reinigen sein oder auf den Markt kommen, ohne potenziell riskante Materialien. Eine simple Alternative seien Enten ohne Loch oder mit dauerhaft verschlossener Öffnung.
So bleibt der Badespaß ungetrübt – und hygienisch sicher.
