Der Lebenspartner unserer Autorin Alexandra spült regelmäßig seine Eimer und Pinsel in der gemeinsamen Badewanne ab und lässt sie zu allem Überfluss auch noch tagelang darin trocknen. Ihr reicht´s.
Ich wollte nur ein Bad nehmen. Ein ganz normales, unspektakuläres Schaumbad, wie es Frauen in diesen Kolumnen immer tun – Sie wissen schon: Lavendelduft, Kerzen, leise Musik. Ein kleines Wellness-Inselchen im Alltag. Doch stattdessen fand ich in unserer Badewanne: einen Eimer. Nein, nicht den schicken Emaille-Eimer aus der Dekoabteilung. Einen, der einmal Mörtel gesehen hat – und seither offenbar zur Stammbelegschaft in unserem Badezimmer zählt.
Damals habe ich noch gelacht
Ich bin nicht sicher, wann genau es passiert ist. Wann unsere Badewanne, diese heilige Oase des Rückzugs, zur multifunktionalen Werkbank meines Lebensgefährten wurde. Vielleicht war es der Tag, an dem er nach dem Streichen meinte: „Ich spüle die Pinsel mal eben aus – in der Badewanne geht das besser als in der Küchenspüle.“ Damals habe ich noch gelacht. Oder wenigstens: milde gelächelt. Doch heute weiß ich: Es war der Anfang vom Ende.
Inzwischen scheint die Wanne in seinem Universum alles zu sein – nur keine Badewanne. Sie ist Planschbecken für den Tauchanzug (den er immerhin exakt einmal im Jahr braucht), Waschstraße für seine Mountainbike-Schuhe und Trockenkammer für nasse Werkzeugtaschen. Manchmal – ich schwöre – liegen sogar Akkuschrauber daneben. Ob zum Trocknen oder zur moralischen Unterstützung, habe ich nie herausgefunden.
Und so frage ich mich: Wo ist meine Wanne geblieben? Die mit der Badeente, dem Badesalz und dem stillen Versprechen, dass mich für 30 Minuten niemand braucht? Ich kann Ihnen sagen, wo sie ist: unter einem Haufen Baumarkt.
Mit einem Glas Wein bewaffnet
Neulich stand ich mit nassen Haaren und einem Handtuch in der Tür und fragte vorsichtig: „Wie lange muss der Eimer da noch trocknen?“ Seine Antwort: „Bis er trocken ist.“ Ich habe keine Worte dafür. Also gut, ich habe viele, aber die sind nicht jugendfrei.
Natürlich haben wir darüber gesprochen – mehr als einmal. Mein persönliches Lieblingsgespräch dazu ist das „Badewannen-Manifest“, das ich eines Abends mit einem Glas Weißwein bewaffnet vortrug: Artikel 1 – Die Badewanne dient der Entspannung. Artikel 2 – Wer darin einen Eimer abstellt, möge dies nicht länger als vier Stunden tun. Artikel 3 – Pinselreiniger ist kein Badezusatz.
Er hörte zu. Nannte es „interessant“ und versprach Besserung. Tage später fand ich dann zwar keinen Eimer – aber zwei Neopren-Handschuhe und eine Taucherbrille. Ich war so fassungslos, dass ich kurz überlegte, ob ich selbst einfach in seine Werkstatt gehe und dort meine Badesachen ausbreite. Nur so, zum Ausgleich.
Was kommt als nächstes?
Aber wie es so ist in langen Beziehungen: Man arrangiert sich. Ich habe inzwischen ein kleines Regal im Schlafzimmer mit Badezusätzen, Duftkerzen und einer Notfall-Wärmflasche. Immer bereit, sollte der seltene Tag kommen, an dem meine Wanne einmal frei ist. Dann stürze ich mich hinein, als wäre es das letzte Schaumbad auf Erden. Inzwischen weiß ich: Es ist ein bisschen wie in einer WG. Nur dass man sich nie ganz sicher sein kann, ob die Wanne heute mir gehört – oder dem Feinputz.
Und wissen Sie was? Manchmal ist es sogar ganz charmant. Also nicht die Pinsel. Die sind einfach schrecklich. Aber die Tatsache, dass man mit einem Mann zusammenlebt, der Dinge selbst reparieren kann, der nicht nach dem ersten schiefen Dübel aufgibt – das ist schon was. Auch wenn es eben bedeutet, dass mein Lavendelbad mitunter den Duft von Silikon teilt.
Aber wehe, er fängt an, die Wanne zum Grillrostreinigen zu nutzen. Dann ziehe ich aus. Oder besser: Ich baue mir mein eigenes Badezimmer. Mit Wanne. Nur für mich. Und einem Schild: „Keine Eimer. Keine Pinsel. Keine Kompromisse.“
