In China sieht man transparente Badezimmertüren vor allem in Hotels, Apartments und modernen Neubauten. Für europäische Gäste wirkt das oft irritierend, manchmal geradezu indiskret. Der Grund liegt aber selten in einem grundsätzlich anderen Verhältnis zu Intimität, sondern meist in Design, Raumökonomie und Hotelstandardisierung.
Viele Hotelzimmer und Stadtapartments sind kompakt geschnitten. Glas lässt kleine Grundrisse größer wirken, weil der Blick nicht an einer massiven Wand endet. Tageslicht dringt tiefer in den Raum, das Bad wirkt heller, das Zimmer insgesamt offener.
Hinzu kommt ein gestalterischer Trend, der nicht nur China betrifft. Auch international setzen Hotels seit Jahren auf offene Badbereiche, Glasduschen, halbtransparente Türen oder Bäder, die stärker in den Schlafraum integriert sind. In China fällt das europäischen Gästen oft stärker auf, weil diese Lösung dort in bestimmten Hotelkategorien besonders verbreitet ist: Businesshotels, Boutiquehotels, kleinere Stadtzimmer und neue Apartmenthotels.
Hat das kulturelle Gründe?
Teilweise, aber anders, als man zuerst denkt. In vielen asiatischen Großstädten ist Wohn- und Hotelfläche knapp. Gestaltung wird deshalb stärker über optische Offenheit gelöst. Glas vermittelt Modernität, Sauberkeit und Großzügigkeit.
Das bedeutet aber nicht, dass chinesische Gäste grundsätzlich keine Privatsphäre wünschen. Auch dort sorgen transparente Toiletten- oder Badezimmertüren immer wieder für Diskussionen. Die unterschiedliche Wahrnehmung entsteht eher daraus, dass europäische Gäste Bad und Toilette meist als klar abgeschlossenen Privatraum erwarten. In vielen modernen Hotelkonzepten wird diese Grenze dagegen bewusst aufgeweicht.
Wie geht man als europäischer Gast damit um?
Am einfachsten ist es, schon vor der Buchung genau hinzusehen. Hotelbilder verraten oft, ob Bad und Schlafbereich durch Glas getrennt sind. Bei Unsicherheit lohnt eine kurze Nachricht an das Hotel: „Does the bathroom have a fully opaque door and full privacy?“ Wichtig ist dabei das Wort „toilet“, nicht nur „bathroom“, weil Dusche und WC unterschiedlich gestaltet sein können.
Vor Ort helfen pragmatische Lösungen: Viele Glasbäder haben ein Rollo, einen Vorhang oder schaltbares Milchglas. Manchmal ist der Schalter dafür nicht sofort sichtbar. In dem Fall kann man an der Rezeption fragen. Fehlt jede Abschirmung, kann man um ein anderes Zimmer bitten. Das ist nicht unhöflich, sondern eine normale Komfortfrage.
Was man vermeiden sollte
Man sollte die Lösung nicht sofort als „typisch chinesisch“ abwerten. Transparente oder halboffene Badezimmer sind inzwischen ein globaler Hoteltrend, der auch in Europa und den USA kritisiert wird. Gleichzeitig muss man sich als Gast nicht damit abfinden, wenn die Privatsphäre fehlt.
Praktisch gilt: Bei Alleinreisen ist es oft nur ungewohnt. Bei Paaren kann es je nach Nähe funktionieren. Bei Freunden, Kollegen oder Familien mit älteren Kindern sollte man vorher prüfen, ob das Zimmer wirklich ausreichend Privatsphäre bietet.
