Lange Zeit galten sie als Inbegriff urbaner Wandgestaltung: glänzend glasierte Metrofliesen, meist im Format 10 x 20 Zentimeter, häufig in Weiß oder dunklen Farbtönen, mit deutlicher Fase und klassischer Verlegeart. Ob in Küche oder Bad – der Retro-Look war beliebt und vielseitig kombinierbar.
Doch inzwischen zeigen sich Abnutzungserscheinungen: Die ikonischen Fliesen verlieren an Reiz, ihre Wirkung erscheint vielen zu kalkuliert, zu häufig gesehen. Der Trend geht nun deutlich in eine neue Richtung – sowohl was das Format als auch die gestalterische Haltung betrifft.
Abkehr vom Retro-Look
Metrofliesen waren lange ein Garant für urbanen Chic, inspiriert von Pariser U-Bahnstationen und modern interpretiert in Designerbädern oder offenen Küchen. Ihre glänzende Oberfläche reflektierte Licht, ihre Form ermöglichte klare Muster. Doch was lange als stilvoll galt, ist für viele heute ein gestalterischer Kompromiss. Nicht, weil die Fliese an sich unmodern wäre – sondern weil ihre flächige, serielle Wirkung in vielen Räumen zu dominant auftritt.
Inzwischen wünschen sich viele Bauherren und Renovierer neue Akzente – sowohl in Struktur als auch im Format. Genau hier setzen aktuelle Fliesentrends an.
Stäbchenfliesen – klein, schmal, effektvoll
Eine auffällige Alternative zu klassischen Formaten sind sogenannte Stäbchenfliesen. Sie sind meist nur wenige Zentimeter breit und erinnern in ihrer Größe an Schokoriegel. Durch ihre schmale Form erzeugen sie spannende vertikale oder horizontale Linienbilder, besonders wenn sie engfugig verlegt werden.
Stäbchenfliesen kommen häufig mit matter Glasur oder natürlicher Struktur daher. Besonders in Kombination mit Marmoroptiken, Holz und Messingarmaturen entsteht ein wohnlicher, fast textiler Look – weit entfernt vom typischen Fliesencharakter früherer Jahrzehnte. Auch als Akzent an Nischen, Waschtischen oder in Duschbereichen entfalten sie ihre Wirkung.
Großformatige Fliesen – weniger Fugen, mehr Ruhe
Am anderen Ende der Skala liegen großformatige Fliesen – etwa im Maß 20 x 40 cm, 30 x 60 cm oder größer. Diese gewinnen besonders im Badezimmer zunehmend an Beliebtheit. Der Grund: Sie schaffen ruhige, homogene Flächen mit wenigen Fugen. Das wirkt modern, großzügig und unterstützt eine minimalistische Ästhetik.
Großformate eignen sich hervorragend für Boden und Wand zugleich, oft in identischer Optik, was den Raum optisch streckt. Auch die Reinigung ist durch die reduzierte Fugenanzahl einfacher. Damit die Wirkung nicht zu kühl wird, setzen viele Planer auf Fliesen in warmen Naturtönen, Sandfarben oder dezenten Mustern mit Stein- oder Lehmstruktur.
Gestaltung mit Fläche und Textur
Der Wandel bei den Formaten bringt auch eine neue Gestaltungslogik mit sich: Fliesen sollen nicht mehr bloß funktional Wandbereiche verkleiden, sondern als gestalterisches Element den Raum gliedern, akzentuieren oder beruhigen. Die reine Farbe tritt zurück zugunsten von Textur, Struktur und Formatwirkung. Matte, strukturierte Oberflächen und natürliche Farben dominieren das Bild.
Insbesondere Kombinationen verschiedener Fliesenarten – etwa große Wandfliesen mit schmalen Stäbchenfliesen als Umrahmung oder Nischenakzent – eröffnen neue Möglichkeiten. So wird die Wandgestaltung wieder individuell, jenseits von Standardmustern.
Format bestimmt Atmosphäre
Die Zeiten der allgegenwärtigen Metrofliese scheinen gezählt – zumindest für alle, die sich gestalterisch weiterentwickeln möchten. Kleine Stäbchenfliesen und großformatige Platten bieten neue Impulse für Küche und Bad. Sie schaffen mehr Abwechslung, erlauben neue Muster und setzen auf dezente Eleganz statt dekorativer Wiederholung. Wer heute Fliesen auswählt, entscheidet sich nicht nur für Farbe und Material, sondern für ein gestalterisches Konzept – und damit für die Atmosphäre im ganzen Raum.
