Es gibt Badezimmer, die bloß funktional sind – gefliest, hell, praktisch. Und es gibt solche wie dieses: Räume, die man gar nicht mehr als „Nasszelle“ bezeichnen möchte, weil sie längst mehr sind als das. Dieses Bad zeigt, wie sehr sich das Verständnis von Badezimmerkultur verändert hat: vom Ort der Körperpflege hin zum persönlichen Rückzugsraum.
Die Einrichtung erinnert fast an ein Wohnzimmer. Ein gemusterter Teppich liegt auf dem dunklen Fliesenboden, ein Stuhl mit Handtüchern steht bereit wie in einer Ankleide, an der Wand hängt Kunst. Selbst der Waschtisch ist kein standardisiertes Möbelstück, sondern eine Art Kommode mit Charakter – dunkel, elegant, auf schlanken Beinen. Man ahnt: Hier soll nicht nur gewaschen, sondern gelebt werden.
So wohnlich
Das Licht fällt gedämpft durch schmale Lamellen, die Fliesen schimmern warm beige-grau, ein Kontrast zu den sonst so klinischen Weißtönen vieler Bäder. Statt Spotlights oder grellem Deckenlicht herrscht weiches, indirektes Licht. Es gibt keine sichtbare Hektik, keine Flut aus Pflegeprodukten – nichts stört die Ruhe des Raums.
Wohnlichkeit entsteht hier durch Details: durch den Teppich, durch das Bild an der Wand, durch die Entscheidung für Materialien, die Wärme statt Kälte ausstrahlen. Und durch die Haltung, die dahintersteht: Das Bad ist kein Durchgangsort, sondern ein Lebensraum.
Vielleicht ist das der eigentliche Luxus unserer Zeit – ein Badezimmer, das nicht nur sauber macht, sondern Gelassenheit schenkt. Ein Ort, an dem Funktion und Atmosphäre verschmelzen. Und an dem man, wenn man ehrlich ist, manchmal lieber bleibt, als hinauszugehen.
