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Zu weiches Wasser: Wenn weniger Kalk plötzlich zum Problem wird

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Kalk im Wasser hat keinen besonders guten Ruf. Er sitzt im Wasserkocher, macht die Armatur stumpf und verwandelt den Duschkopf irgendwann in ein kleines Archäologieprojekt. Da liegt der Gedanke nahe: Je weicher das Wasser, desto besser. Ganz so einfach ist es nicht.

Denn auch Wasser kann zu weich sein. Was für die Kaffeemaschine zunächst wie ein Geschenk klingt, kann für die Hausinstallation zum Problem werden. Entscheidend ist dabei nicht, dass weiches Wasser grundsätzlich schlecht wäre. Problematisch wird es, wenn es so mineralstoffarm und chemisch aggressiv ist, dass es mit den Materialien der Leitungen reagiert.

Was bedeutet überhaupt „zu weiches Wasser“?

Wasser wird anhand seines Gehalts an Calcium und Magnesium in verschiedene Härtebereiche eingeteilt. Sehr weiches Wasser enthält davon nur wenig.

Für den Haushalt ist das zunächst angenehm: Es gibt weniger Kalkablagerungen, Seife lässt sich leichter ausspülen und Haushaltsgeräte müssen seltener entkalkt werden.

Eine allgemeingültige Grenze, ab wann Wasser allerdings technisch „zu weich“ ist, lässt sich nicht allein anhand der Wasserhärte festlegen. Entscheidend sind auch andere Eigenschaften des Wassers und vor allem die Materialien, durch die es fließt.

Denn Wasser ist kein passiver Stoff. Es steht ständig in Kontakt mit Rohren, Armaturen und Speichern.

Wenn Wasser Rohre angreift

Sehr weiches Wasser kann unter bestimmten Bedingungen korrosiv wirken. Dann kann es Metalloberflächen angreifen und langfristig Schäden an der Installation verursachen.

Das Problem zeigt sich nicht unbedingt sofort. Korrosion entwickelt sich langsam und kann zunächst völlig unsichtbar bleiben. Im ungünstigen Fall entstehen Rost, Materialabtrag oder sogar Lochfraß.

Besonders relevant ist das bei älteren Hausinstallationen und bei Rohrmaterialien, die gegenüber bestimmten Wasserqualitäten empfindlicher sind.

Deshalb ist „möglichst weich“ bei Trinkwasser kein sinnvolles Qualitätsziel. Eine Wasseraufbereitung muss immer zur gesamten Installation passen.

Können Schwermetalle ins Trinkwasser gelangen?

Das ist der Punkt, der bei sehr weichem und korrosivem Wasser besonders aufmerksam macht: Greift das Wasser metallische Leitungen oder Armaturen an, können unter ungünstigen Bedingungen Metalle aus dem Material herausgelöst werden.

Welche Stoffe dabei relevant sind, hängt von der Installation ab. Bei älteren Gebäuden können beispielsweise Bleiinstallationen eine Rolle spielen; bei anderen Materialien können unter bestimmten Bedingungen Kupfer oder andere Metalle betroffen sein.

Das bedeutet allerdings nicht, dass weiches Wasser automatisch mit Schwermetallen belastet ist. Die Trinkwasserqualität hängt von vielen Faktoren ab – unter anderem vom Wasserwerk, den Hausleitungen und der Dauer, die das Wasser in den Leitungen steht.

Wer einen konkreten Verdacht hat, sollte deshalb nicht über die Wasserhärte spekulieren, sondern das Trinkwasser untersuchen lassen.

Die Kalkschicht ist nicht nur lästig

Kalkablagerungen gelten im Haushalt meist als Feind. Für metallische Rohrleitungen kann eine dünne Ablagerung allerdings durchaus eine gewisse Schutzwirkung haben.

Bei sehr weichem Wasser bildet sich diese Schicht deutlich weniger. Das ist einer der Gründe, warum die Wasserchemie bei der Planung und Einstellung von Enthärtungsanlagen eine Rolle spielt.

Das Ziel kann deshalb nicht lauten: möglichst wenig Calcium im Wasser. Es muss vielmehr eine Wasserqualität erreicht werden, die sowohl für den Haushalt als auch für die Installation geeignet ist.

Zu weich kann für den Haushalt trotzdem angenehm sein

Trotz aller technischen Probleme hat weiches Wasser einige sehr praktische Eigenschaften.

Kalkränder entstehen seltener, Armaturen bleiben länger sauber und Waschmittel sowie Seife können effizienter eingesetzt werden. Auch Kaffeemaschinen und Wasserkocher freuen sich über weniger Härtebildner.

Wer einmal sehr weiches Wasser gewohnt ist, möchte deshalb möglicherweise nicht wieder zum stark kalkhaltigen Leitungswasser zurück.

Das ist auch völlig in Ordnung – solange die Enthärtung nicht über das sinnvolle Maß hinausgeht.

Vorsicht bei Enthärtungsanlagen

Wer hartes Wasser hat, denkt deshalb vielleicht über eine Enthärtungsanlage nach. Genau hier sollte man nicht nach dem Motto „je weicher, desto besser“ vorgehen.

Eine falsch eingestellte Anlage kann das Wasser unnötig stark enthärten. Moderne Systeme sollten deshalb fachgerecht eingestellt und regelmäßig kontrolliert werden.

Auch bei der Auswahl einer Anlage sollte nicht allein der Härtegrad des Leitungswassers entscheidend sein. Die gesamte Trinkwasserinstallation muss berücksichtigt werden.

Was tun bei Verdacht auf zu weiches Wasser?

Wer in einem Neubau wohnt und eine moderne Installation besitzt, muss sich wegen weichen Wassers normalerweise keine Sorgen machen. Trinkwasserversorger und Installationsbetriebe berücksichtigen die Wasserbeschaffenheit bei der Planung.

Anders kann es bei älteren Häusern aussehen. Treten plötzlich metallischer Geschmack, verfärbtes Wasser oder wiederholt Probleme mit der Hausinstallation auf, sollte die Ursache fachlich untersucht werden.

Eine Wasseranalyse kann dabei sinnvoller sein als der Kauf eines weiteren Filters. Denn nur eine Analyse zeigt, welche Stoffe tatsächlich im Wasser vorhanden sind und ob überhaupt ein Problem besteht.

Weiches Wasser ist nicht automatisch gutes Wasser

Die Sache mit dem Wasser ist damit ein wenig komplizierter als die alte Kalkregel vermuten lässt. Hartes Wasser kann lästige Ablagerungen verursachen. Sehr weiches Wasser kann dagegen unter bestimmten Bedingungen die Korrosion von Leitungen begünstigen.

Das Ideal liegt deshalb nicht am äußersten Ende der Härteskala.

Wer Wasser enthärtet, sollte nicht versuchen, den letzten Rest Kalk aus dem Leitungswasser zu verbannen. Eine gute Wasseraufbereitung ist vielmehr eine Frage des richtigen Maßes – und der richtigen Einstellung für das konkrete Haus.