Im Urlaub genießen Gäste das Duschen und Baden oft ausgiebiger als im hektischen Alltag daheim. Dies führt zu einem erhöhten Wasserverbrauch in Hotelbädern, der teils durch wasserintensive Angebote wie Pools und Wellnesseinrichtungen noch verstärkt werden kann.
In Zeiten knapper werdender Ressourcen gewinnt die Wiederverwendung von Wasser zunehmend an Bedeutung. Vor allem im Hotelgewerbe, wo täglich große Mengen Warmwasser verbraucht werden, kann Grauwassernutzung ein wirksamer Hebel sein – sowohl für mehr Nachhaltigkeit als auch zur Senkung der Betriebskosten.
Was ist Grauwasser?
Als Grauwasser bezeichnet man leicht verschmutztes Abwasser aus Duschen, Badewannen und Waschbecken – nicht zu verwechseln mit Schwarzwasser, das aus Toiletten stammt. Während Grauwasser bislang meist ungenutzt im Abfluss verschwand, lässt es sich mit modernen Technologien reinigen und in einem zweiten Schritt etwa für die Toilettenspülung wiederverwenden. Das spart nicht nur Wasser, sondern reduziert auch den Energiebedarf für die Warmwassererzeugung.
Nachhaltige Technologien im Bad
Ein Beispiel für die Verbindung von Komfort und Umweltbewusstsein bietet das Zusammenspiel von wassersparenden Produkten mit Grauwassertechnik. In vielen Hotelbädern kommen mittlerweile Armaturen mit sogenannter CoolStart-Funktion zum Einsatz. Diese liefern bei mittiger Hebelstellung zunächst nur Kaltwasser – das Aufheizen wird so vermieden, wenn es nicht gebraucht wird. Auch der Durchfluss ist reduziert: Moderne Waschtischarmaturen geben statt 12 nur rund 6 Liter Wasser pro Minute ab. Duschsysteme mit EcoSmart-Technologie senken den Wasserverbrauch ebenfalls deutlich – von rund 12 auf 8 Liter pro Minute.
Ein System für Millionen Liter Einsparung
Doch der Blick geht inzwischen über sparsame Technik hinaus. In Kooperation mit dem niederländischen Unternehmen Hydraloop und der IHG-Hotelgruppe setzt der Badhersteller hansgrohe auf ein dezidiertes Grauwasserrecyclingsystem für Hotels. In einem aktuellen Projekt wird das Abwasser aus 58 Hotelbädern gesammelt und mit einem mehrstufigen Verfahren biologisch gereinigt sowie desinfiziert. Das aufbereitete Wasser wird für die Toilettenspülung verwendet. Laut Hersteller lassen sich so pro Jahr rund 1,2 Millionen Liter Wasser einsparen.
Hohe Energiekosten als Motivation
Wasser- und Energiekosten machen je nach Hotelgröße und Lage bis zu 10 Prozent des Jahresumsatzes aus. Da vor allem das Erhitzen von Wasser sehr energieintensiv ist, bietet jede Einsparung spürbare Vorteile – nicht nur finanziell, sondern auch in Bezug auf die CO₂-Bilanz. Nachhaltige Investitionen wie in Grauwassersysteme oder Armaturen mit reduziertem Durchfluss können somit doppelt lohnen. Auch Investoren achten zunehmend auf solche Kriterien, etwa im Rahmen der EU-Taxonomie für nachhaltiges Wirtschaften.
Grauwasser als Ressource
Der bewusste Umgang mit Wasser gehört heute zum Standard nachhaltiger Gebäudeplanung. Die Nutzung von Grauwasser ist dabei mehr als nur ein ökologisches Statement – sie senkt laufende Kosten, erhöht die energetische Effizienz und schont kostbare Ressourcen. Was in Hotels funktioniert, lässt sich in abgewandelter Form auch auf größere Wohngebäude übertragen. Der Blick auf den Wasserverbrauch wird sich in Zukunft also weiter verändern: weg vom Verbrauch – hin zur Kreislaufnutzung.
